Symptome & Formen

Stuhlinkontinenz – Ein Tabuthema, über das geredet werden muss

Verschiedene Formen der Stuhlinkontinenz können auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen sein. Da sie auch in den Symptomen und Schweregeraden variieren, benötigen Patienten individuell angepasste Behandlungen. Lesen Sie in diesem Artikel welche Formen es gibt, wie sie sich unterscheiden und welche Behandlungen es gibt.

von MoliCare® Redaktion
Eine Pflegerin hält die Hand von einer älteren Dame die im Bett liegt
Eine Pflegerin hält die Hand von einer älteren Dame, die im Bett liegt

Stuhlinkontinenz: Von der Ursache bis zur Behandlung

Stuhlinkontinenz bezeichnet den ungewollten beziehungsweise unkontrollierbaren Abgang von Darmgasen, flüssigem oder festem Stuhl. Es handelt sich bei der analen Inkontinenz (auch Darminkontinenz genannt) um eine Krankheit, die überwiegend im fortgeschrittenen Alter auftreten kann, und vor allem Frauen betrifft1. Jedoch kann der Verlauf der Krankheit von Patient zu Patient variieren, da es verschiedene Formen und Ursachen der Stuhlinkontinenz gibt. Die verschiedenen Formen unterscheiden sich in den Symptomen und erfordern daher unterschiedliche Therapien und Hilfsmittel.

Stuhlinkontinenz Symptome und deren Schweregrade

Zu den Symptomen der analen Inkontinenz zählt nicht nur der ungewollte Verlust von flüssigem oder festem Stuhl, sondern auch von Darmgasen oder Darmschleim. Wie bei der Harninkontinenz, können die Symptome in verschiedenen Schweregraden auftreten und sich mit der Zeit verstärken. Allgemein lassen sich die Symptome in die folgenden drei Schweregrade unterteilen:

1. Schweregrad: Unkontrollierbarer Abgang von Darmgasen, sowie leichte Verschmutzung der Unterwäsche durch Schmierstuhl

2. Schweregrad: Unkontrollierbarer Abgang von Darmgasen sowie flüssigem Stuhl

3. Schweregrad: Unkontrollierbarer Abgang von Darmgasen, flüssigem und festem Stuhl1

Verschiedene Ursachen sorgen für verschiedene Formen von Stuhlinkontinenz

Doch was sind eigentlich die Auslöser für Stuhlinkontinenz? Tatsächlich kann eine anale Inkontinenz durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden und in unterschiedlichen Formen auftreten. Die Ursachen lassen sich in fünf Kategorien zusammenfassen2.

1. Muskuläre Inkontinenz

Die Muskuläre Inkontinenz ist auf eine Verletzung des Schließmuskels oder der Analhaut zurückzuführen. Unter anderem kann solch eine Verletzung während einem operativen Eingriff entstehen. Bei Frauen ist jedoch das Geburtstrauma, auch Dammriss genannt, die häufigste Ursache für eine Muskuläre Inkontinenz. Nach einer Geburt leiden viele Frauen unter einer meist temporären Stuhl- oder Harninkontinenz. Besonders bei der vaginalen Geburt ist das Risiko einer Verletzung des Schließmuskels sehr hoch. Die Geburt kann bei den Frauen unmittelbar zu Inkontinenz führen, oder auch erst Jahre später auftreten2.

2. Beckenbodeninsuffizienz

Bei dem Beckenboden handelt es sich um einen Verbund aus Muskeln und Bindegewebe. Zunächst ist der Beckenboden straff und elastisch und ermöglicht damit, Stuhl und Urin bewusst zurück zu halten. Durch Übergewicht oder zunehmendes Alter verliert der Beckenboden an Elastizität und kann zu Stuhlinkontinenz und/oder Urininkontinenz führen2.

3. Konsistenzbedingte Inkontinenz

Konsistenzbedingte Inkontinenz ist häufig auf Durchfallerkrankungen wie beispielsweise Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa zurückzuführen1. Diese Erkrankungen führen bei betroffenen Patienten zu einer erhöhten Stuhlfrequenz. Das hat zur Folge, dass der Schließmuskel überfordert ist und somit nicht mehr in der Lage ist den Stuhlabgang zu kontrollieren2.

4. Neurogene Inkontinenz

Nervenschäden können verschiedene Ursachen haben. Zum einen können sie als Begleiterscheinung von Krankheiten wie Demenz oder Multiple Sklerose auftreten. Häufig kann auch ein Schlaganfall oder auch ein Bandscheibenvorfall zu einer Beschädigung der Nerven führen1. Bei Frauen besteht zu dem bei der vaginalen Entbindung die Gefahr der Nervenschädigung. Auf Grund der neurologischen Störungen werden keine oder falsche Impulse zur Darmfüllung gesendet - die Folge ist eine Stuhlinkontinenz2.

5. Überlaufinkontinenz

Eine Darm-Motilitätsstörung (Bewegungsstörung des Magen-Darm-Traktes), oder auch Verstopfung, kann der Auslöser für eine Überlaufinkontinenz sein. Diese Ursachen können angeboren sein. Häufiger werden sie jedoch dadurch ausgelöst, dass betroffene Personen eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr aufweisen, was den Stuhl im Darm eindickt. Durch die Verdickung ist es den Betroffenen nicht möglich den Stuhl vollständig auszuscheiden, wodurch er sich im Darm anstaut. So eine Verstopfung des Darms hat zur Folge, dass der Darm vermehrt Schleim produziert. Dieser Schleim wird dann unkontrolliert ausgeschieden wobei die eigentliche Verstopfung des Darms bestehen bleibt2.

Illustration des weiblichen und männlichen Beckenbodens
Anatomie des weiblichen und männlichen Beckenbodens

Wie werden die verschiedenen Formen der Stuhlinkontinenz behandelt?

Je nach Ursache und Form der Stuhlinkontinenz gibt es verschiedene Möglichkeiten mit der Krankheit umzugehen. Wichtig ist in jedem Fall, dass Sie sich von Ihrem Arzt zu der für Sie angemessenen Behandlung beraten lassen.

1. Stuhlgangregulierung

Für einen kontrollierten Stuhlgang ist eine geschmeidige Stuhlkonsistenz wichtig. Bei der analen Inkontinenz, die durch Verstopfungen verursacht wird, bedeutet dies, dass der Stuhl verdünnt werden muss. Häufig kann dieses Ziel durch eine Anpassung der Ernährung oder Flüssigkeitszufuhr erreicht werden. Die genaue Abstimmung muss dabei individuell mit einem Spezialisten erfolgen, vor allem wenn Herz- oder Nierenerkrankungen vorliegen. Wenn dagegen die Stuhlinkontinenz auf einer Durchfallerkrankung beruht, ist eine Eindickung des Stuhls notwendig. Abhängig von der vorliegenden Durchfallerkrankung wird ein Spezialist die Behandlung individuell abstimmen2.

2. Rektale Darmirrigation

Um die kontrollierte Stuhlentleerung zu fördern können Irrigationen zum Einsatz kommen. Dabei handelt es sich um Darmspülungen, welche den Darm entleeren und reinigen. Zusätzlich wird dadurch der Stuhlentleerungsreflex geschult und die Betroffenen sind besser in der Lage zwischen Gas, Stuhl und Flüssigkeit zu unterscheiden2.

3. Beckenboden Training

Der Beckenboden spielt eine entscheidende Rolle sowohl bei der Therapie von Stuhl- als auch Harninkontinenz. Daher wird Betroffenen zu Übungen geraten die gezielt die Muskulatur des Beckenbodens trainieren. Diese Übungen dienen nicht nur als Behandlung einer bereits vorhanden Harn- und Stuhlinkontinenz, sondern können auch vorbeugend wirken1.

4. Operationen

Bei Fällen, die durch die oben genannten Behandlungen nicht therapierbar sind, kann auch ein chirurgischer Eingriff helfen die Kontinenz des Stuhlgangs wieder herzustellen. Dazu zählen beispielsweise Operationen am Schließmuskel oder auch Operationen zur Nervenstimulation1.

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Wenn sie an Stuhlinkontinenz leiden, scheuen sie sich nicht davor Hilfe zu suchen. Nur durch die Beratung von Spezialisten erfahren Sie, was bei Ihnen die Ursache ist und welche Form der Stuhlinkontinenz bei Ihnen vorliegt. Ihr Arzt wird sie entsprechend beraten und eine passende Therapie mit Ihnen abstimmen.



Quellen:

1 Stuhlinkontinenz: Ursachen, Hilfsmittel, Therapie - Onmeda.de

2 DKG_Stuhlink_05-14.pdf(kontinenz-gesellschaft.de)

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